Teil-Familie 1973 in Castrop-Rauxel, Papa war wohl auf Zeche arbeiten, Foto knipste eine Tante.

Schafft die Familie ab – mehr Gerechtigkeit und Klimaschutz wagen mit der Familien-Abschaffung

Gebt dem Eigenheim keine Chance, zerstört die Basis vom grassierenden Flächenfraß und der Ressourcen-Verschwendung im bürgerlichen Kapitalismus. Schafft die Familie als Keimzelle vom Faschismus und Fundament des Kapitalismus ab. Rettet das Weltklima.

Okay, das mag jetzt ein bisschen zu viel auf einmal gewesen sein. Schließlich liebt ihr doch alle eure Mama, die eigenen Kinder sowieso und manche sogar – richtig romantisch – den oder die Ehe-Partner:in. Familie sei ein Hort der Liebe, Vertrautheit und Sicherheit, dünkt es vielen Menschen. Die Familie sei Zufluchtsort und wirtschaftlicher Notanker im klimanegativen Einfamilienhaus auf freiwilliger Vertrauensbasis. Auf die Familie kann man sich verlassen, glauben „Familienmenschen“. Ja, womöglich, wenn diese Familie wohlhabend und sozial kompetent genug ist, Halt und Sicherheit zu schaffen. Und Liebe in der Familie? Kenn ich persönlich aus eigener Beobachtung und eigenem Erleben, ehrlich gesagt, nicht wirklich. Vielmehr liest mensch von sexualisierter Gewalt im „trauten Familienglück“.

Kollektive Lebenslüge: Die Familie gehört schrittweise aber konsequent abgeschafft

Das ideologisch verbrämte Bild der Kleinfamilie, ein Trugbild der Harmonie und des Zusammenhalts, bürgt der klimaschädliche Kapitalismus auch noch die Aufgabe eines anzustrebenden Wohlfahrtsstaates auf – zumeist auf dem Rücken der Frauen. Wer’s nicht packt ein aufreibendes Leben in der Trotzburg Einfamilienhaus zu meistern, der darf seine Kinder unter vielen Umständen gar nicht mehr sehen. Die Kinder werden in Heime gesteckt und bis zum Teenager-Alter von Pflegefamilie zu Pflegefamilie und danach ins prekär beschäftigte Arbeitsleben geschickt. Es gibt Tausende von Gastfamilien und Kinderheimen, die davon leben, dass der Staat arme Eltern für die dauerhafte Arbeitslosigkeit oder vermeintlichen Drogenmissbrauch sanktioniert. Die Abschaffung der Familie zu fordern, ist also im Kern ein Akt der wahren solidarischen Liebe zum Menschen und zur „Mutter Natur“. Denn effektiver Klimaschutz ist, die kollektive Lebenslüge vom Familienglück zu entlarven und die Familie als quasi staatstragenden Leistungsträger der Gesellschaft abzuschaffen.

„Bis heute geben uns Politik, Werbung und Kultur vor, wie Familien auszusehen haben; bis heute werden verheiratete Paare (in Deutschland egal ob mit oder ohne Kindern) steuerlich begünstigt; bis heute werden queere, nicht binäre, nicht konforme Menschen diskriminiert. Und bis heute, auch dafür versuchen Abolitionisten zu sensibilisieren, bietet der sogenannte Schoß der Familie längst nicht allen die gleiche Sicherheit. Anfang Juli veröffentlichten die Vereinten Nationen eine Studie, der zufolge im Jahr 2017 rund 87.000 Frauen weltweit getötet wurden – deutlich mehr als die Hälfte (rund 50.000) von ihrem (Ex-)Partner oder von Familienangehörigen.“

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Humanismus: Die Abschaffung der Familie ist solidarische Fürsorge

Vorab: Bei der Eliminierung der Familie geht es nicht darum, Liebe und Fürsorge zu beenden. Ganz im Gegenteil, das Ziel ist, die Erfahrung von Liebe und Fürsorge wirklich allen Menschen zugänglich zu machen. Die Vorstellung eines kollektiven Dorflebens in lebenswerten Städten, ist eine humanistisch-solidarische Idee. Ein Gegenentwurf zur Trotzburg-Mentalität der Angst- und Ellenbogen-Gesellschaft, in der jeder bereit ist für die jeweils eigene Familie über Leichen zu gehen. In Konkurrenz zum Nachbarn auf der anderen Seite des Maschendrahtzauns. Die Pandemie-Jahre legten die Probleme des real existierenden Kapitalismus blank. Im Shutdown standen dringend Hilfsbedürftige an diversen karitativen oder unternehmerisch tätigen Trägern der öffentlichen Fürsorge vor verschlossenen Türen wie der Weinkenner vor der geschlossenen Kneipe. Was Letzterem mit dem Kauf von ein paar Pullen im 24-Stunden-Supermarkt verschmerzen konnte, brachte sozial und ökonomisch benachteiligten Personen Leid und Elend. Ein frohes Weihnachtsfest „im Kreise der Familie“, wünschten derweil Raed Saleh und Franziska Giffey den Berliner:innen auf Facebook, um für die SPD und dem gelebten Spießertum Reklame zu machen. Die abseits vom Familienleben auf der Strecke bleiben, bleiben halt allein zurück im Coronawinter 2020/2021.

„Mit Blick auf die Familie ist das Private also allein deshalb schon politisch, weil das Erleben der Familie von strukturellen Machtverhältnissen abhängig ist. Wenn weiße Ehepaare sich auf ihre Karriere konzentrieren können, weil oft nicht weiße Frauen auf deren Babys aufpassen und den Haushalt erledigen, dann ist das Ausdruck politischer Ungleichgewichte. Wenn Ehe und Familie laut des deutschen Grundgesetzes „unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“ stehen und Innenminister Horst Seehofer gleichzeitig dafür sorgt, dass irakische Eltern und ihre Kinder aus den Betten gerissen werden, um so schnell wie möglich abgeschoben zu werden, dann ist das kein Widerspruch, sondern auch Teil des Systems Familie™.“

Zeit.de
Barbarische Zustände nicht aushalten, sondern die Familie abschaffen.

Die längst in Wahrheit mehrheitlich von Singles und Alleinerziehenden bewohnten westlichen Gesellschaften müssen deshalb die Pflege der Alten, die Betreuung der ökonomisch Benachteiligten und die Heilung der Kranken kollektiv neu denken. Gleiches gilt für die Betreuung und Bildung der Kinder. Gesellschaftliche Aufgaben sind nur jenseits des veralteten und defizitären Familienbildes und ohne prekär beschäftigte Arbeitskräfte solidarisch zu schultern. Wenn, ja, wenn wir die barbarischen Zustände nicht aushalten, sondern miteinander in einer zivilisierten Gesellschaft in Frieden leben wollen. Mehr Family Abolition zu wagen, tut also aus sozialen Gründen und moralischen Bedenken bitter Not.

„Der Klimawandel gehört bereits zu den größten Fluchtursachen weltweit. Bis 2050 könnten weitere 216 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels fliehen, warnt die Weltbank und fordert ein schnelles Umdenken. Die Katastrophe treffe die Ärmsten der Welt…“

Migazin
Mehr Klimaschutz wagen: Krieg den Palästen, Frieden den Hütten

Trotz Ausbeutung der Frau oder gar Mord und Todschlag im gestressten Familienverbund, wird die Familie im Kapitalismus traditionell politisch überhöht und die Mär vom glücklichen Familienleben prägt die Menschen über Generationen hinweg nachhaltig. Eine glückliche Familie, so kreischt auch die konsumfördernde Fernseh- und neuerdings Internet-Werbung seit Jahrzehnten auf das Proletariat ein, lebt in einem einzeln beheiztem Einfamilienhaus am öden Stadtrand. Dort fährt die Familie mit zwei Autos pro Haushalt die Kinder zur Schule, das Geld zum Einkaufen und die Arbeitenden mit Pendlerpauschale zum Lohnerwerb in die Stadtmitte oder statistisch bemessen sehr häufig in den Puff. Dieses familienfreundliche Klimakiller-Idyll lässt der Staat sich was kosten: „Kinder-Baugeld“, Ehegattensplitting und Eigenheimzulage sind nur drei von vielen Beispiele der bundesdeutschen „Familienpolitik“. Diese reaktionäre Familien-Ideologie vernichtet im Resultat die Natur durch zersiedelnde Flächenversiegelung und killt das Klima mit der zerstörerischen Kraft der ineffektiven Nutzung von Ressourcen respektive verschwenderischen Ausbeutung unserer Lebensgrundlagen. Zu viel Besitz dem Einzelnen und zu viel Dominanz dem in Wahrheit längst gescheiterten Familienmodell ist nicht gesund für die Menschen. Depressive Menschen sind kranke Menschen. Auch wenn im Beruf und Eheleben verbrannte Familientypen das jetzt „Burn out“ nennen und die Lifestyle-Verletzungen wie eine Kriegsnarbe vorzeigen. Pfft, selbst schuld. Oder?

Entlastung der Familie ist ein erster Schritt und mit der Schulpflicht bereits vollzogen worden

Das Ende der Familie beschleunigt das Aus vom Traum von einem energieintensiven Einfamilienhaus am Stadtrand. Und die Entlastung der Familie von Aufgaben der modernen Gesellschaft ist der erste Schritt auf dem Weg zur Ausmerzung der angeblich traditionellen Familie und wurde freilich längst beschritten: Die Schulpflicht hält den gestressten Eltern in Deutschland seit über 300 Jahren die Bälger für ein paar Stunden vom Hals und schafft wertvolle Freizeit, um der Lohnarbeit oder dem Geschäft der Ausbeutung anderer Menschen nachzugehen. Die KITA-Pflicht ist ebenfalls flächendeckend im Kommen und nun fehlt noch das bedingungslose Grundeinkommen, um Menschen vom Gutdünken des Elternhauses oder vom unterbezahlten Lohnerwerb im Kapitalismus zu befreien. Auch das Recht auf Wohnraum fehlt leider nach wie vor. Nicht nur in den USA, auch in der BRD sind Menschen obdachlos, weil sie als Homosexuelle, Transidenten oder was auch immer nicht gewünscht sind im diesbezüglich wenig sozialem Mikrokosmos des familiären Umfelds. Da den Jugendlichen das Geld zum Wohnen fehlt, landen sie auf der Straße oder in ausbeuterische Zwangsbeziehungen. Das ist übel, muss besser laufen. Am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. Checkt den Wahl-O-Mat und die Progessomaschine. Wagt mehr Familienabschaffung. Rettet die Welt.

Sicherheit um jeden Preis: Krieg den Palästen, Frieden den Hütten. Eigenheime verbieten?
Familienschutz für Reiche, aber zu viel Besitz ist ungesund für Menschheit und die Erde
Eigenheim nur für reiche Familien, Obdachlosigkeit für die armen Familienlosen
Können sich Eigenheime nur Reiche leisten? Im Prinzip ja, aber es gibt Nischen wie Erben oder Verschuldung.
Singles in China – interessanter Bericht zum Thema Familie auf Arte

Das konfuzianische Familienbild hat in China über Jahrtausende tiefe Spuren hinterlassen. Der Wortstamm für jeden Menschen, das Land und die Familie ist derselbe (jia 家) in der hàn-chinesischen Kulturregion. Der Anpassungsdruck an die gesellschaftlichen Normen ist enorm. Singles dürfen sich nur verloben, wenn sie eine eigene Wohnung vorweisen können. Obwohl die Frauen zwar besser ausgebildet sind als die Mehrzahl der Männer, gebietet die Tradition den Frauen noch vor dem 30. Lebensjahr „nach oben“ in Familien einzuheiraten. Das ist stressig. Von wegen Kommunismus.

Kleines Lesetipp-Video zum Post auf YouTube zur Abschaffung der Familie

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