Müll, Schmutz, Unrat? Bitte bunt statt dreckig!

Weggeworfene Zigarettenkippen

Warum mir überhaupt Gedanken machen zu Sauberkeit und Ordnung auf’m Rollberg? Weil es sauber viel schöner ist, gerade in einem von weniger reichen Menschen bewohnten Kiez, ist Ordnung und Sauberkeit eine soziale Frage

Ich will ein buntes, aber kein dreckiges Neukölln. Und ja, ich weiß, hier bei uns im schönen Rollberg-Kiez ist es im Vergleich zu anderen Straßenzügen im Norden Neuköllns noch relativ ordentlich und sauber. Danke dafür an meinen Vermieter Stadt und Land und die Tochterfirma Stadt und Land- Facility. Aber: Es ist mir persönlich und vielen meiner Nachbarinnen immer noch viel zu dreckig. Nicht die Thomasstraße darf Maßstab, sondern die Fasanenstraße im Reichenkiez muss Vorbild sein. Doch resigniert darauf zu warten, dass es besser, sauberer und ordentlicher wird, ist keine Lösung. Das dachte ich mir bereits im Jahre 2019, nahm deshalb die Gelegenheit wahr, im Rahmen des Solidarischen Grundeinkommens (SGE) als Hauswart/Quartiersläufer im Rollberg-Kiez in meinem eigenen Wohnumfeld in Vollzeit zu arbeiten, um dort alltäglich hochmotiviert mit Tat und Kraft für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Das hat sogar bis zu einem gewissen Grad recht gut geklappt, aber … den Job bin ich los. Was aber blieb ist die Erfahrung aus der Praxis an der Basis vor Ort in den vermüllten Straßen von Neukölln und der Wunsch in einem sauberen Wohnumfeld leben zu dürfen.

Die bunte Zivilgesellschaft, die eine Demokratie dringend benötigt, ist sozial, solidarisch und gibt Nazis beim Thema Sauberkeit & Ordnung keine Chance

„Die jährlich von STULA und SPD durchgeführte Mieterversammlung wird bisher fast ausschließlich von Bewohner*innen deutscher Herkunft wahrgenommen. Das politische Interesse in der Rollbergsiedlung ist wenig ausgeprägt. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Jahr 2016 lag die Wahlbeteiligung mit knapp 40 % weit unter dem Berliner Durchschnitt von 67 %. (…) Im Quartier leben nach wie vor viele bildungsferne und einkommensschwache Menschen mit Sprachdefiziten. Sie müssen sich anderen Herausforderungen im Leben stellen und haben ein großes Maß an Unterstützungsbedarf. Der bewohnergetragene Verein Kiezanker e.V. verfügt zwar über engagiertes soziales Kapital, jedoch fehlt es dem jungen Verein an Expertise, finanziellen Mitteln und geeigneten Räumlichkeiten. Seit Schließung des Gemeinschaftshauses zum 28.02.2019 gibt es im Quartier keinen zentralen Nachbarschaftstreff mehr. Durch den Wegfall des langjährigen Angebots und der zentralen Anlaufstelle steht das Gebiet wieder am Anfang, was die Etablierung eines Ankerpunkts in Form eine Nachbarschaftshauses oder Familienzentrums angeht.“

QUARTIERSMANAGEMENT ROLLBERGSIEDLUNG
Kein Müllraum-Schlüssel oder zu faul? Nachbarn oder Besuchende laden regelmäßig Müll ab, wo er nicht hingehört. Ja, das ist schlicht asozial.

„Die Nachbarschaft kann das Müllproblem lösen, tragt Verantwortung gegen Dreck und Verwahrlosung im Kiez, hört auf mit der Selbstverachtung eurer selbst und der Respektlosigkeit gegenüber euren Nächsten, schmeißt keinen Müll aus dem Fenster. Respektiert eure Nachbarn, entsorgt euren Müll ordentlich. Nutzt die Möglichkeiten, die die zivilisierte Bundesrepublik Deutschland auch allen Berliner*innen bietet. In einem sauberen Wohnumfeld zu leben, ist dank Infrastruktur der öffentlichen Daseinsvorsorge machbar. Lebt nicht freiwillig, ohne Not so, wie kein Tier es tun würde. Werft euren Unrat in Abfalleimer und nicht in Hecken, auf Wiesen und Gehwegen, lasst keinen Dreck liegen, wo ihr euch niederlasst zum Pausieren, sozialer Interaktion und Sinnieren oder verweilt zum Abhängen, Flanieren und Party machen. Seid menschlich im humanistischen und bürgerlichen Sinne. Helft mit im Beschwerde-Management von Ordnungsamt und eurer Vermieter- und Wohnungsbaugesellschaften, beschwert euch mit konkreten Hinweisen über mangelnden Service und meldet Verstöße gegen die Haus- und öffentliche Ordnung. Danke im Voraus dafür, liebe Nachbarinnen, Nachbarn und Kiez-Besucher*innen.“

Icke

Dieser Appell wird natürlich ins Leere verhallen, denn die sozialen Menschen, und das sind die allermeisten, die sich wie freundliche und verantwortungsvolle Menschen benehmen und sich als soziale Wesen beweisend verhalten, werfen nunmal keinen Müll aus dem Fenster, sondern entsorgen ihren selbst produzierten Müll ordentlich in den dafür vorgesehenen Abfallbehältnissen. Diejenigen aber, die sich eh antisozial und ohnehin kriminell verhalten wollen und fahrlässig und vorsätzlich Ordnungswidrigkeiten begehen, indem sie Müll, Dreck und Schrott illegal vor den Haustüren anderer Leute entsorgen, benehmen sich genauso lange unsozial gegen das Gemeinwesen gerichtet daneben, so lange die Gemeinschaft die Gegner*innen des mit gewolltem Fehlverhalten attackierten Gemeinwesens eben gewähren lässt. Ich meine: Gute Nachbarschaft beginnt mit sozialer Kontrolle und ist ein solidarisches, bestärkend positiv wirkendes Korrektiv im menschlichen Miteinander.

Milchreisbecher-Deckel, Plastiktüte, Wichstücher und Rotzfahnen liegen nur wenige Menschenschritte vom Mülleimer entfernt in der Grünfläche

Diese Minderheit von antisozial agierenden Personen schert sich nicht um allgemein gültigen Anstand und weit verbreitete kulturelle Gepflogenheiten einer Stadtgesellschaft. Diese minder sozial Handelnden haben sich kulturell befreit von der kultivierten Gemeinschaft und schaden dem Gemeinwohl konkret. Fakt ist nämlich, wer sich nicht um das Gemeinwohl schert, ist ignorant, wer, obwohl mensch es besser könnte, sogar dem Gemeinwohl durch aggressives Verhalten bewusst schadet, benimmt sich nunmal schwerst antisozial. Meine Meinung: Vandalismus ist Gewalt und mit Vermüllung vorsätzlich seine Nachbarschaft zu belästigen, ist offensiv aggressiver Vandalismus. Und Vandalismus gehört hart bestraft.

Mieter, Passanten, Service-Mitarbeiter – wer hat diesen Müllhaufen neben leeren Mülleimer zu verantworten? Keine Ahnung, sieht aber scheiße aus.

Was tun? Da eine kleine Minderheit besonders viel Dreck und Unrat wenig korrekt entsorgt, leidet darunter die große Mehrheit der Anwohnerschaft in meinem Kiez. Diese unschuldigen Menschen dürfen nicht von BSR und Stadt und Land Facility im Stich gelassen werden. Der Rollberg-Kiez hat wie der gesamte Norden von Neukölln offensichtlich einen erhöhten Betreuungsbedarf. Heißt: Die Reinigungsfrequenz muss steigen, es wird bislang zu wenig effektiv sauber gemacht und es wird leider keine Müllstreife gelaufen im Rollberg-Kiez. Ich wünschte mir allen Ernstes eine munizipalsozialistische Bürgerwehr, rekrutiert aus meiner sozial vielfältigen, multikulturellen Nachbarschaft, die Täterinnen und Täter auf frischer Tat ertappen, sofort belehren und gegebenenfalls registriert abgemahnte Wiederholungstäterinnen* urst streng sanktionieren. Fördern und Fordern im sozialdemokratischen Sinne, vor Ort unweit des Abfalleimers und ganz nah dran am Menschen vorm Müllraum, der meint, man müsse sich nicht an die sinnvollen Regeln der Hausordnung halten.

Falls ihnen der Beitrag gefallen oder bloß geärgert hat, können sie gerne ein paar Groschen hinterlassen. Paypal me! Danke. paypal.me/RobertNiedermeier

Dem Nächsten Müll vor die Füße zu werfen, ist ne soziale Störung. Nimm Hilfe an!

Menschen kann man erziehen, bilden, prägen und sozialisieren, weil Menschen ein Bewusstsein haben. Wer sich also ohne Zwang gegenüber Regeln, die das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Menschen ermöglichen, bewusst und offensiv aggressiv verweigert, schadet der Gesellschaft. Diese Leute machen sich selbst und ganz alleine quasi zum schadhaften Soziopathen mit einer eben antisozialen  Persönlichkeitsstörung. Oft sind es Leute, die autoritär denken, aber sonst nichts zu melden haben, keine Macht über andere ausüben können, sich deshalb unwichtig und entbehrlich fühlen. Für Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl kann Machtausübung bedeuten, den Müll extra nicht korrekt zu entsorgen. Denn sie ahnen, das ärgert den einen oder anderen Nachbarn ungemein. Das verleiht ihnen eine gewisse Macht über Mitmenschen. In dem Moment, wo sie den Müllsack vor die Tür des Nachbarn abladen, belohnt das Gehirn diese Subjekte auch noch mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Derselbe irregeleitete Belohnungs-Effekt tritt auch bei Verbrechen von Sexualstraftätern ein. Ja, seinen Müll nicht korrekt zu entsorgen, erst recht, wenn es nicht aus gewerblichen Gründen zur Profitsteigerung dient, ist in gewisser Weise krank. Es entspricht einer sozialen Störung. Und wenn es internalisierter Klassismus ist, der Leute dazu nötigt, ihr eigenes Umfeld zu vemüllen, tut es mir schrecklich leid.

Freundliche Ratten- und Vögelfütterung prägt im Rollberg-Kiez nicht nur im warmen Oktober 2020 das wenig appetitliche Straßenbild.

Präventiv können Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gerne versuchen unter Rücksichtnahme soziologischer und ökonomischer Hintergründe, die renitenten Problemfälle innerhalb der Nachbarschaft für irgendwelche Projekte zu erreichen, um denen mal Verantwortungsbewussten, Bürgerlichkeit und soziale Normen und kultiviertes Verhalten mit emphatischer Professionalität einzutrichtern. Bis das wirkt, muss ganz pragmatisch gedacht und gehandelt werden. Es muss einfach viel mehr sauber gemacht werden im Kiez. Entweder optimiert von bisher offensichtlich teils überfordert wirkenden Firmen wie Stadt und Land Facility oder zusammen mit ehrenamtlichen Teams aus der Nachbarschaft. Je mehr Müll zu lange liegen bleibt im öffentlichen Raum, desto mehr fühlen sich andere animiert, ebenfalls das Wohnumfeld mit achtlos Weggeworfenem zu verdrecken. Siehe dazu die Broken Windows-Theorie: Sauberkeit und Ordnung kann helfen, den sozialen Frieden zu bewahren. Auch und gerade in der andauernden Corona-Pandemie-Ära, hilft die Stärkung des Zusammenhaltsgefühls den inneren Frieden abzusichern.

Solidarisiert euch statt zu spalten, wenn’s um Sauberkeit & Ordnung geht…

Menschen, die dem Allgemeinwohl schaden, kann man nicht einfach entsorgen wie Müll. Dieser ethische Anspruch, den ich hiermit klar formuliere, unterscheidet von AfD-Schreihälsen und artverwandten Neonazis, die das Müllproblem dreckig verlogen als Kulturkampf zwischen Einheimischen und Zugewanderten darzustellen versuchen. Aus meiner eigenen Praxiserfahrung als Reinigungskraft im Rollbergkiez, kann ich versichern und berichten; der Bio-Deutsche als Solches entleert Aschenbecher aus dem Klofenster, schmeißt Feigling-Pülleken in die Büsche, wirft mit Kot behaftete Kondome aus dem Schlafzimmer- oder woanders im herkunftsdeutschen Haushalt auch volle Windeln aus dem Küchenfenster. Kurz: Asoziales Verhalten an den Tag zu legen, ist weder eine ethnische, noch eine kulturelle Frage. Noch einmal: Sein Wohnumfeld zu vermüllen ist komplett kulturbefreit. Nun ja, ich glaube am Guten im Menschen. Der Glaube am Guten im Menschen ist für mich gleichbedeutdend mit dem Glauben an Gott. Und das Schönste ist: Gottes Kinder sind beeinflussbar, im Negativen wie im Positiven. Darum, bitte: Soziale Kontrolle tut Not in der Großstadt! Gebt dem Gemeinwesen eine faire Chance, seid nicht antisozial im Alltag, sondern redet mit den Nachbarn über das Müllproblem, lebt vor, wie man es besser macht, lasst euch nicht zum schlechten Benehmen verleiten, sondern tadelt Nachbarn im möglichst freundlichen Ton, die ihr beim Kiez-Verdrecken erwischt. Seid die Zivilgesellschaft, die wir in einer Demokratie so dringend benötigen. Danke.

Warum, wurde vom Servicemitarbeiter der Dreck beim Müllbeutel-Wechsel nicht gleich mit entsorgt, oder sind die Nachbarn schuld?

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