Corona-Krise statt Osterlaune am Ostern-Wochenende 2021 – kein Bock auf Osterdekoration im Lockdown

Weidenkätzchen-Zweige in der Glasvase u

So öde schaut’s aus. Seit Tagen stehen die jährlich verwendeten Weidenkätzchen-Zweige halbwegs aufrecht in der Glasvase und warten auf den Osterschmuck. Dieser dröge Einstieg ist bereits Unfug, denn die Zweige sind einfach bloß tot und warten deshalb bestimmt nicht auf irgend etwas, sondern stehen dort ebenso regungs- wie erwartungslos in der Glasvase herum. Mir persönlich geht’s aber tatsächlich nicht viel anders als den ausgetrockneten Weidenkätzchen: Phlegmatische Resignation macht sich im zweiten Jahr der weltweiten Covid-19-Pandemie breit wie Schimmel auf altem Brot. Die Küche verdreckt und ich habe dieses Jahr absolut gar keinen Bock, meinen Osterbaum-Ersatz leidlich mit kitschigem, semi-religiösen Tand dekorativ aufzuhübschen. Wie wohl viele andere Mitmenschen drifte ich lustlos im Lockdown umher.

Osterstimmungsbild 2021 – unaufgeräumte Küche in einer Single-Bude in Neukölln

Osterstimmungsbild 2021 - eine nahezu verwahrloste und unaufgeräumte Küche in einer Single-Wohnung in Berlin-Neukölln
Osterstimmungsbild 2021 – nahezu verwahrloste und unaufgeräumte Küche in einer Single-Wohnung in Berlin-Neukölln

Die grassierende Depression ist kollektiv. Ein Trost? Nö. Als kinder- und weitgehend arbeitsloser Single allein in der Wohnung ohne Terrasse und Balkon zu leben, ist im Lockdown light, der vor allem – kaum wirksam – das Privatleben beschränkt, aber das Wirtschaftsleben vehement schützt, keine Freiheit mehr, sondern pure Frustration. Besuch zu empfangen, ist zum Risiko deklariert worden. Deshalb chatten wir im kleinen Freundeskreis räumlich voneinander getrennt miteinander, telefonieren auch, aber uns fällt gar nichts mehr zum Erzählen ein, weil außer Scheiße, die auf Netflix oder in der Politik läuft, nichts weiter von Interesse passiert. Sozial verkümmert und emotional ausgedörrt bleibt noch Twitter als Schlechte-Laune-Treiber. Dort guckt Klöckner wie Ich beim beim Kacken aus der Röhre und rechte Esoterik-Hippies marschieren von der Polizei flankiert zusammen mit Neonazis auf Superspreader-Demoevents durch bundesdeutsche Großstädte. Ausgangssperre für Nazis? Das wäre, folgt man der verrückt gewordenen Logik der durchgeknallten Corona-Leugner:innen, antidemokratisch.

Alternativ rege ich mich über einen Tweet der grünen Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Kreuzberg-Friedrichshain auf, was aber keinerlei Erleichterung verschafft, weil Esprit, Visionen und Charisma schmerzlich vakant. Was bleibt? Über Berliner Jugendliche lästern, die draußen im Park ihre sozial nach wie vor munter aktive Clique treffen und gemeinsam, in geselliger Runde Spaß haben. Hi und da noch etwas Impfneid oder Wut übers Impfdesaster an den Tag legen, das war’s… Es steht ja nur die freiheitliche Demokratie auf dem Spiel, wenn die Polizei rechts marschieren lässt und links schikaniert. Wie armselig, sehr öde halt.

Querdenker-Geschrei der Unvernunft statt Ostermärsche für Weltfrieden bestimmen die mediale Szenerie zum Osterfest 2021 – Nazis raus aus jedem Diskurs!

„Schon einmal ging in Deutschland eine Demokratie zu Grunde, weil Demokraten zuschauten, wie einige ihre Regeln mit Gewalt und Einschüchterung durchsetzten. Solange, bis nur ein zurückweichen möglich war. Demokratie muss auch wehrhaft sein. Das bleibt die Erkenntnis.“

Burkhard Lischka, SPD

Gutbürgerliche Besserverdiener:innen raten frustriertem Ego-Mob derweil akademisch blasiert zur Corona-Geduld. Alles nur gut gemeint…

„Selbst wenn die letzte Etappe sich bis zum Spätsommer oder Frühherbst erstrecken sollten: Das Ausnahme-Roulette ist und bleibt ein asoziales Spiel mit der Gesundheit, der eigenen wie der von anderen. Corona-Geduld ist noch eine kleine Weile gefragt. Verdammt gut haben es Leute in Staaten wie unserem, mit einem inklusiven und hochentwickelten System der Krankenkassen, mit exzellenten Praxen und Kliniken und Sicherheit, wie es sie selten gibt auf der Welt.“

Carolin Fetscher, Tagesspiegel

Techniker Krankenkasse im Herbst 2020 – tolle Schlaumeier-Tipps gegen den Coronakrisen-Frust – Hygiene im Kopf statt Todesangst und Resignation.

„Besonders häufig wird derzeit über fehlende Energie, Mut- und Kraftlosigkeit geklagt. Denn Corona dominiert mittlerweile den Alltag massiv. Planungen (von Urlaub oder Verabredungen) aber auch Zuversicht in die Zukunft fallen da schwer. Ungewissheit macht nicht nur Angst, sondern lässt uns womöglich auch schlechter schlafen. Ein Teufelskreis, dem man nur schwer wieder entkommt, wenn man nicht ein wenig achtsam mit sich umgeht.“

TK, Techniker Krankenkasse-Blog

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ruft Bürger:innen auf, sich zusammen zu raufen – die Corona-Leugnenden tun’s auf der Straße ohne Maske!

„Bei manchen geht es im Lockdown längst nicht mehr um verlorenes Einkommen, es geht um die blanke Existenz. Umso mehr verstehe ich die Ungeduld, den Frust über die Rückschläge der vergangenen Monate. Es ist viel getan worden, auch viel gelungen. Trotzdem: Es gab Fehler – beim Testen, beim Impfen, bei digitalen Lösungen.“

Steinmeier-Zitat von BR, Bayerischer Rundfunk

„Ja, viele sind müde nach einem Jahr Corona-Pandemie. Psychologen können das gut erklären. Und auch, warum es trotzdem so wichtig ist, jetzt in der dritten Welle nicht aufzugeben.“

Zeit online

Frohe Ostern allerseits. Geht spazieren, fahrt Rad, räumt die Küche auf, schmückt eure Wohnung österlich bunt, jammert Euren Freunden die Ohren voll, aber kommuniziert. Von mir auch aus auf Twitter. Folgt mir!

Aluhut für Ken-Twitter Account ist auch voll sauer – auf Arbeiter:innen!

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Selbstmord eines Kindes: Achtjähriger Junge springt im EU-Land Niederlande aus Angst vor Abschiebung aus dem fünften Stück in den Tod

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